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Mehr Kunststoffrecycling – aber nicht (nur) freiwillig

Bei einer Expertendiskussionsrunde im Rahmen des IFAT impact Business Summits zeigte sich: Freiwillige Maßnahmen zur Steigerung des Kunststoffrecyclings, wie die Circular Plastics Alliance, sind zwar begrüßenswert, werden rechtlich verpflichtende Vorgaben aber vermutlich nicht ersetzen können.

Die Kunststoffstrategie der Europäischen Kommission sieht unter anderem vor, dass in der EU ab dem Jahr 2025 jährlich zehn Millionen Tonnen Recycling-Kunststoffe verwendet werden. Für den noch weiten Weg dorthin rief die Kommission im September 2019 das Bündnis „Circular Plastics Alliance“ ins Leben. Die Allianz umfasst Vertreter aus sämtlichen Bereichen der Wertschöpfungskette – darunter Hersteller und Verarbeiter von Kunststoffen, große Einzelhändler sowie Entsorgungs- und Recyclingfirmen. Aktuell hat das Bündnis mehr als 230 Unterzeichner.

Plastic Strategy
Ohne verpflichtende Vorgaben werden die Recyclingquoten nicht steigenShutterstock, Sangaroon Sungkomsilp

Viele Kunststoffanwender agieren nach wie vor preisgesteuert

„Solche freiwilligen Initiativen sind zwar durchaus wichtig, aber sie schaffen nicht automatisch die erforderliche Breitenwirkung. Viele Unternehmen beteiligen sich nicht, da es deutlich billiger ist, originäre statt rezyklierte Kunststoffe zu verwenden“, sagte Timothy Glaz, Leiter Corporate Affairs der Werner & Mertz GmbH (Mainz). Der mittelständische Hersteller von Reinigungs- und Pflegemitteln – bekannt durch seine Marke Frosch – gilt als Vorreiter beim Einsatz von Recycling-Plastik in seinen Verpackungen. Jüngstes Beispiel ist ein vollständig rezyklierbarer Standbodenbeutel mit abnehmbarer Banderole, der ausschließlich aus Polyethylen besteht. Bei einem solchen Produkt aus Monomaterial hat das Rezyklat nach Angaben von Werner & Mertz nahezu die gleiche Qualität wie das Ausgangsmaterial.

Christian Kampmann, Geschäftsführer des Entsorgungs- und Recyclingunternehmens PreZero (Porta Westfalica), stimmte Timothy Glaz in der Online-Diskussion zu. Nach seinen Erfahrungen agieren bis zu 80 Prozent der kunststoffanwendenden Unternehmen preisgesteuert – eine freiwillige Selbstverpflichtung werde da nicht helfen. „Hinzu kommt: Während bei Produkten wie von der Marke Frosch der Druck zu mehr Kreislaufwirtschaft von Verbraucherseite hoch ist, gibt es viele Produkte, bei denen die Konsumenten gar nicht wissen, dass Kunststoffe enthalten sind, weshalb dort auch kein Druck durch die Öffentlichkeit ausgeübt wird“, betonte Kampmann.

Ein weiteres kritisches Argument zum Ansatz der Circular Plastics Alliance lieferte Dr. Andreas Bruckschen, Geschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. (BDE, Berlin). Nach seiner Einschätzung sind die Vorgaben der Selbstverpflichtung zu allgemein gehalten. „Das beginnt schon bei der Frage, welche Arten von Kunststoffen hier einbezogen werden“, sagte Bruckschen.

Verbindliche Anforderungen in Arbeit

Ungeachtet der ausstehenden Ergebnisse der freiwilligen Allianz arbeitet die EU derzeit parallel an verbindlichen Anforderungen für Schlüsselprodukte wie Verpackungen, Baumaterialien und Fahrzeuge, wie Werner Bosmans, Teamleader Plastics bei der EU-Kommission, in der Diskussionsrunde verdeutlichte. Nach seinen Worten sollen laut der EU-Kunststoffstrategie beispielsweise ab dem Jahr 2030 alle Kunststoffverpackungen wiederverwendbar oder recyclingfähig sein.

Mehr Recycling bei passenden Bedingungen leistbar

Ob nun auf freiwilligem oder verpflichtendem Weg: Wäre die Abfallmanagement-Industrie denn überhaupt bereit, mittel- bis langfristig ein viel größeres Recycling zu stemmen – sowohl bei der Menge wie auch bei der Qualität der Rezyklate? Auf diese Frage der Moderatorin Valérie Plainmaison von der Europäischen Föderation der Entsorgungswirtschaft (FEAD) antwortete Christian Kampmann: „Wir sind auf jeden Fall zu den entsprechenden Investitionen bereit. Allerdings brauchen wir, bei aller Risikobereitschaft, Bedingungen, dass sich diese Investitionen am Ende auch auszahlen können.“ Und Andreas Bruckschen ergänzte: „Die Qualität der Rezyklate hängt von der Qualität des Inputs ab. Deshalb müssen wir bei der Produktion anfangen – Stichwort Design for Recycling – und entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenarbeiten.“

Die veranstaltende Organisation dieser Diskussionsrunde war der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. (BDE).

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