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Entsorgungsbranche bleibt regional ausgerichtet

Private und öffentlich-rechtliche Entsorger teilen sich gegenwärtig in etwa den Kuchen der Abfallsammlung in Deutschland, die vorwiegend regional strukturiert ist und dies auch auf absehbare Zeit bleiben wird. Beispielgebende Projekte quer durch Deutschland weisen den Weg in eine ressourceneffiziente Zukunft.

Junkyard Luftaufnahme
© iStock / ollo

„Kommunale Unternehmen sind die zentralen Infrastrukturdienstleister in Deutschland und in den Regionen wesentliche Impulsgeber für die wirtschaftliche, kulturelle und soziale Stabilität und Entwicklung. Sie stellen die Funktionsfähigkeit der Gesellschaft und Wirtschaft sicher.“ Diese selbstbewusste Feststellung trifft der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) in einem zweiseitigen Positionspapier. Weiter heißt es dort sinngemäß: Jeden Tag entsorgen VKU-Unternehmen beispielsweise rund 31.500 Tonnen Abfall in Deutschland und erwirtschaften mit ihrer gesamten Leistungspalette mehr als 115 Milliarden Euro im Jahr.

Nicht überall stößt das Engagement kommunaler Akteure freilich auf Gegenliebe. In einer Pressemitteilung vom Sommer vergangenen Jahres kritisiert der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) den Trend zu mehr Staat in der Entsorgungs- und Kreislaufwirtschaft. Einerlei ob künftig mehr privatwirtschaftlich oder stärker öffentlich-rechtlich organisiert, soviel steht fest: Die Entsorgungsbranche in Deutschland wird auch weiterhin stark regional strukturiert bleiben – zahlreiche Beispiele belegen dies.

Regionale Projekte von Bauschuttrecycling bis Zero Waste

Im nordrhein-westfälischen Grevenbroich soll beispielsweise ein Aufbereitungszentrum für Bauabfälle entstehen, Ziel ist eine Bauwirtschaft mit Kreislaufkonzept im Rheinischen Revier. Die bisher nur skizzierte Anlage mit einem mobilen und stationären Modul soll über eine Aufbereitungskapazität von rund 300.000 Tonnen Bauschutt verfügen und vorrangig rezyklierte Gesteinskörnungen zum Einsatz im Hochbau herstellen.

Die Bauteilbörse Bremen ist bereits seit längerem im Bundesland Bremen erfolgreich tätig, indem sie gebrauchte Bauteile, die bei Abbruch oder Umbau anfallen, an Privatleute, Handwerksbetriebe, Abrissunternehmen, Baugesellschaften, Planungsbüros und Behörden zur Wiederverwendung vermittelt. In Form des Bauteilnetzes Deutschland hat sich die Bremer Idee mittlerweile auch in anderen Regionen wie Berlin-Brandenburg, Hannover, Gronau und Herzogenrath etablieren können.

München will zur „Zero Waste City“ werden. Beraten lässt sich die „Weltstadt mit Herz“ dabei von Dr. Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Müllvermeidungsstrategien. Er weiß:

Der beste Müll ist eindeutig der Müll, der nie entstanden ist, gesammelt und behandelt werden musste. Gleichzeitig erfordert Abfallvermeidung immer auch das Miteinander verschiedener Akteure – sinnvolle Abfallvermeidung ist ein Prozess, bei dem möglichst alle mitgenommen werden sollten.

Dr. Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Müllvermeidungsstrategien

ProgRess steht für Ressourceneffizienz

Impulse erhält die regional organisierte Entsorgungswirtschaft auch vom Ressourceneffizienzprogramm der Bundesregierung, kurz „ProgRess“ genannt. Mit der Verabschiedung dieses Programms hat sich Deutschland im Februar 2012 als einer der ersten Staaten auf Ziele, Leitideen und Handlungsansätze zum Schutz der natürlichen Ressourcen festgelegt. Die Bundesregierung ist verpflichtet, dem Deutschen Bundestag alle vier Jahre über die Entwicklung der Ressourceneffizienz in Deutschland zu berichten und das Programm fortzuschreiben. Der nächste Bericht (ProgRess III) wird für 2020 erwartet.

Programm initiiert zahlreiche Forschungsprojekte

Im Rahmen des Programms wurden zahlreiche Forschungsprojekte initiiert, die sich speziell darum bemühen, ressourcenschonende Aktivitäten auf regionaler und kommunaler Ebene anzustoßen.

Das Forschungsprojekt „RegioRess“ beispielsweise wird federführend vom Deutschen Institut für Urbanistik (DIFU) betreut. DIFU-Mitarbeiter Maic Verbücheln konstatiert in einer Studie in diesem Zusammenhang: „Festzustellen ist, dass ohne kommunale Akteure eine umfassende Umsetzung der Optimierung von Stoffkreisläufen und Stoffströmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz nicht denkbar ist.“

Noch konkreter geht es im DIFU-Projekt „kommRess“ darum, relevante Akteure in der kommunalen Verwaltung, kommunalen Unternehmen und der Zivilgesellschaft zu finden, die gewillt sind, am Konzept des schonenden Umgangs mit Energie und Rohstoffen teilzuhaben. Zudem konzipiert kommRess eine Servicestelle, die Kommunalverwaltungen, Wirtschaftsförderungen und andere regionale Akteure dabei unterstützen soll, ressourceneffizientes Handeln im Tagesgeschäft zu verankern.

Zukunftsperspektive „Urban Mining“?

Wie könnte die Zukunft der regionalen Abfallwirtschaft aussehen? Das Umweltbundesamt (UBA) setzt sich in einer Fachpublikation für das sogenannte „Urban Mining“ ein, was das gezielte Verwenden und Nutzen von bislang brachliegenden Rohstofflagern in aufgelassenen Bauwerken, Anlagen und Konsumgütern speziell im städtischen Raum meint. Richtig umgesetzt könnte es der Kreislaufwirtschaft einen großen Schub verleihen, schreibt das UBA. Eine Zukunftsvision, die in Zeiten des European Green Deal und vielen Klimaschutz-Initiativen verstärkt in greifbare Nähe rücken könnte.

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