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Wasser in Deutschland: Neuerdings Mangelware

Was an der einen Stelle oftmals überreichlich vorhanden ist, wird an anderer Stelle schmerzlich vermisst. Der Klimawandel konfrontiert Deutschland mit einer neuen Situation: Wasser – schon immer wertvoll und bislang ausreichend vorhanden – wird in einigen Regionen zusehends zum knappen Gut.

Fred Fokko Hattermann, Klimaforscher am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, berichtet: „Wir bekommen in den letzten Jahren immer häufiger Rückmeldungen von Wasserwirtschafts-unternehmen: ‚Uns ist ein Brunnen trockengefallen‘. Das hat es früher so nicht gegeben.“

Auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies sieht erste Anzeichen für eine Wasserkrise. Er warnt vor Schwarzmalerei und plädiert für ein umfassendes Wassermengenmanagement in ganz Niedersachsen. Um Konzepte zu entwickeln, stehen im Haushaltsplan seines Ministeriums dafür fast drei Millionen Euro bereit.

Ähnlich fällt die Analyse der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) aus. Generalsekretär Alexander Bonde fordert einen Paradigmenwechsel und betont: „Die anhaltende Trockenheit der letzten Jahre macht es erforderlich, das Wasser in der Landschaft zu halten und Fließgewässern ausreichend Raum zu geben“. In Zeiten von Hitze, Dürre und Starkregen seien Anpassungen seitens der Gewässerbewirtschaftung nötig. „Zielführend sind vor allem regionale Konzepte, die gemeinsam mit den betroffenen Akteuren aus Behörden, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz erarbeitet werden“, so Bonde.

Monitoring zeigt Phasen extremer Dürre an

„Um Moore, Auen und Feuchtgebiete nutzbar zu machen, wurden in der Vergangenheit – und auch heute noch – Flächen über Gräben und Drainagen entwässert sowie Flüsse und Bäche begradigt“, ergänzt DBU-Abteilungsleiter Dr. Maximilian Hempel. Folglich würde dort das Wasser schneller abfließen, und es blieben nur wenige Reserven in der Landschaft. „Regnet es längere Zeit nicht, wie in den Sommermonaten der letzten Jahre, trocknen die Flächen immer mehr aus und der Grundwasserspiegel sinkt“, so der für Umweltforschung und Naturschutz zuständige DBU-Experte. Der Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (Leipzig) habe im Verlauf der letzten zwei Jahre immer wieder Phasen extremer bis außergewöhnlicher Dürre des Gesamtbodens für viele Regionen Deutschlands angezeigt.

Management der Extreme: von Trockenheit bis Hochwasser und Starkregen Shutterstock, Chinnapong

Ampelkarte als Entscheidungshilfe

Wie können geeignete Gegenmaßnahmen aussehen? Ein Projekt der Lippe Wassertechnik (Essen) befasst sich mit einem der größten nutzbaren Grundwasservorkommen in Nordrhein-Westfalen, den Halterner Sanden (Dorsten-Haltern). Die konkurrierenden Nutzungen dort beanspruchen das Grundwasser teilweise so stark, dass oberirdische Gewässer wie der Hammbach zeitweise trockenfallen. Um dem entgegenzuwirken, entwickelte das Unternehmen Lippe Wassertechnik zusammen mit Partnern ein Maßnahmenkonzept, das unter anderem das Schließen von Entwässerungsgräben sowie eine Ampelkarte als Entscheidungshilfe für die Wasserentnahme enthält. „Besonders zielführend war hier die enge Abstimmung zwischen Landwirten, Naturschützern und Wasserversorgern“, beschreibt Hempel den Lösungsansatz. Vereinbart wurden etwa eine effizientere Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen und ein Anpassen der angebauten Kulturen sowie das Renaturieren von Feuchtgebieten, um Wasser in der Landschaft zu halten.

DVGW-Vorstand Dr. Wolf Merkel plädiert in diesem Zusammenhang dafür, die Wassernutzung insgesamt zu hinterfragen. Zu diskutieren sei, so der Vorstand Ressort Wasser des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), ob die Grünflächen- und Gartenbewässerung tatsächlich mit Trinkwasser erfolgen sollte. Vielmehr könne der steigende Wasserbedarf beispielsweise in der Landwirtschaft künftig auch durch die Wiederverwendung von Wasser gedeckt werden. Behandeltes kommunales Abwasser müsste dann eben für eine weitere Verwendung wie die Bewässerung aufbereitet werden, so Merkel.

Digitale Planungsinstrumente im Einsatz

Ein ebenfalls beispielgebendes Projekt des Aueninstituts in Rastatt befasst sich damit, Fließgewässern einen freien Pendelraum für ihre natürliche, eigendynamische Laufentwicklung zurückzugeben. Begradigen und Eindeichen führe zu einem Verlust der Artenvielfalt, der Wasserqualität und verstärke die Hochwassergefahr, sagt Projektleiterin Isabell Juszczyk. Das zum Karlsruher Institut für Technologie gehörige Aueninstitut (Rastatt) entwickelt mit digitalen Planungsinstrumenten Konzepte für die Blies im Saarland, die Ammer in Bayern und die Mulde in Sachsen. Damit lassen sich die Ökosystemleistungen der Flusslandschaften stärken und die Kosten für das Gewässermanagement verringern.

Trockenheit, aber auch Hochwasser und Starkregen

Gerade Hochwasser und Starkregenereignisse stellen die Kehrseite der Medaille dar, die der Klimawandel der Siedlungswasserwirtschaft abverlangt. Noch einmal PIK-Wissenschaftler Hattermann: „Wenn wir uns Europa anschauen, sehen wir deutlich, in Nord- und Westeuropa nehmen die Niederschläge eher zu, in Süd- und Osteuropa werden sie eher weniger. Und wir in Deutschland liegen eben genau dazwischen und müssen uns daher im Grunde an beide Szenarien anpassen.“

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